20 OPFER

ist dir liebste dieses opfer nicht zu schwer?
		   das opfer von zwei minuten
 kann sehr leicht mein opfer werden,
wie der räuber im wald opfer 
       zurückhält: die opfer, die ich brachte, um
		       opfer zu verlangen.
	selbst wer ihr opfer geworden ist, hat
		  sein opfer; ich will es nicht ausdenken.
      auch hast du das opfer, das sie dir bringen,
		   das opfer, aus der gasse, in welcher
	 nur eines der opfer, 
	    der beiden opfer, 
	  das ständige opfer, 
		   ihr opfer war,
      das vorbestimmte opfer jedes die hand ausstreckenden gastes,
	 wohl gern zum opfer gebracht.
	    leicht ein opfer von klatschereien
bringe ich also solche opfer. 
		solche opfer zu bringen
		dieses opfer ist zu groß.

 
[Konkordanzen des Schlüsselworts ›Opfer‹ aus Kafkas Werken (ohne Tagebücher) mit Concord 0.9 erstellt; anschließend manuell arrangiert und rechts und links selektiv geweißt.]

in corpore literarisches

COLD STEELY HARD

do that is that you take a cold steely hard look
is that you take a cold steely hard look at it
only way you do that is that you take a cold
that is that you take a cold steely hard look at
that you take a cold steely hard look at it and
the only way you do that is that you take a
way you do that is that you take a cold steely
you do that is that you take a cold steely hard
you take a cold steely hard look at it and get
take a cold steely hard look at it and get ready
 

[Aus den Nachrichtentexten, die am 23. August um 14:00 (MESZ) bei der Suche nach „ISIS“ auf der ersten Seite von Google News (Englisch) verlinkt waren, mit Casual Conc 1.9.7 alle 11-Gramme mit der Häufigkeit von 3 ausgegeben; am 22. August hatte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel ein Pressekonferenz abgehalten, in der das Zitat fiel.]

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IDENTITÄTSDRAMA
Deutsche Geistesgrößen in Anklage und Selbstrechtfertigung

 

KAFKA: Du bist mit mir nicht zufrieden, Du hast an mir verschiedenes auszusetzen, willst mich anders haben, als ich bin.

LUTHER: Du bist ein durch und durch schlechter Kerl, du bist ein Heide und lehrst dazu nicht recht, bist ein Verführer und Teufelsapostel.

EINSTEIN: Ich bin ehrwürdiger eidgenössischer Tintenscheisser mit ordentlichem Gehalt.

FICHTE: Du bist ein ruchloser Geist: deine Erkenntniss selbst ist Ruchlosigkeit und stammt aus Ruchlosigkeit, und ich kann es dir nicht danken, dass du mich auf diesen Weg gebracht hast.

WEBER: Ich bin ein nach Recherche und Bewährung patentierter und kraft meiner Mitgliedschaft garantierter Gentleman.

LUTHER: Du bist ihnen ungnädig, ich will dir auch ungnädig sein.

LESSING: Ich bin zu tadeln.

HEGEL: Du bist nicht wert, daß dich die Sonne bescheint, sagt man zu einem Wicht, über den man sich erzürnt.

KAFKA: Ich bin doch ganz unbrauchbar, aber darin bin ich unveränderlich.

NIETZSCHE: Ich bin es, der in jedem Grade unwürdig und verächtlich ist,

EINSTEIN: Du bist ein Prachtkerl!

JAKOB BÖHME: Du bist schön und mächtig.

MARX: Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen.

MEISTER ECKHART: Du bist noch schöner.

MARX: Ich bin zu ungeduldig, eine andere Gelegenheit abzuwarten, um Ihnen einen kleinen Beweis meiner Liebe zu geben.

LESSING: Ich bin ein ehrliches Mädchen

JAKOB BÖHME: Ich bin eine züchtige Jungfrau.

WEBER: »Ich bin ein Weib« ist eine politische Unterwerfungsformel. (mehr …)

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WAS MAN MUSS (MANAGEMENTKORPUS)

Sie müssen tough sein.
Sie müssen ehrlich sein.
Sie müssen es nur wollen.
Sie müssen emotional sein.
Sie müssen sich entscheiden!
Sie müssen nur originell sein.
Sie müssen es nicht allein tun.
Sie müssen nett und tough sein.
Sie müssen ihr Vertrauen gewinnen.
Sie müssen auswählen und gewichten.
Sie müssen nicht gleich perfekt sein.
Sie müssen Ihren Rubikon überschreiten.
Sie müssen realistisch erreichbar sein.
Sie müssen sich ihr Geld erst verdienen.
Sie müssen daran arbeiten, damit es anhält.
Sie müssen physisch und psychisch fit sein.
Sie müssen es tun, ob Sie wollen oder nicht. (mehr …)

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AUF MEHR ALS EINE WEISE

die herren von der hafenbehörde
bis auf den heutigen tag
die hände in den taschen
bis auf einen gewissen grad
im zimmer auf und ab
auf mehr als eine weise

ich weiß nicht was ich
in der mitte des zimmers
sagte er zu sich selbst
die hände in den hosentaschen

 
[Die fünf häufigsten 5-Gramme der Werke Kafkas und Goethes mit CasualConc 1.9.7 ermittelt und abwechselnd untereinander ausgegeben (Reihenfolge erste Strophe: Kafka/Goethe, zweite Strophe: Goethe/Kafka).]

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TÖTEN (KORPUSFABEL II)

…aber sie werfen uns in den Kerker und quälen unsern Leib, höhnen unsre Weiber, töten unsre Kinder, stiften Raub und Brand. Bald darnach befreiten sich die zwölf geraubten Schwestern aus ihren Gemächern, suchten die zwölf Dolche aus der Brust ihres Bruders und töteten in der Nacht sämtliche Mordgrafen. Da gab sich der Kaiser in der Frauen Gewalt, daß sie ihn töten lassen könne nach dem Recht. Da dachte der alte König „sollte mein Sohn unschuldig gewesen sein?“ und sprach zu seinen Leuten „wäre er noch am Leben, wie tut mirs so leid, daß ich ihn habe töten lassen.“ Da erschrak der Pfarrer selbst, meinte, es wäre ein böser Geist in die Kuh gefahren, und hieß sie töten. Da kam der Teufel abermals und legte ihm einen andern Brief in die Tasche, darin stand, sie sollten die Königin mit ihrem Kinde töten. Da schrieb er einen Brief der Kaiserin, in dem befahl er, als lieb ihr Leib und Leben wäre, daß sie den Zeiger dieses Briefes töten hieße. Da sprach sie auf der Stelle: „O guter Gesell, nehmt von Euren Leuten und kehret mir eilends zum Wald, daß Ihr die sieben Kinder tötet, und bringt mir die sieben Ketten zum Wahrzeichen mit! Du sollst es töten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ Da stieg der gute Jüngling ab, tötete das Pferd mit seinem Degen und überließ es den jungen Raben zum Futter. Da zog er sein Schwert und drohte sie zu töten, wo sie ihm nicht gehorchte, und zwang sie damit, daß sie es versprach. Daheim wußte er nicht, an wem er seinen Zorn und Ärger auslassen sollte, bis ihm böse Gedanken kamen und er beschloß, seinen Bruder zu töten. Das Mädchen reichte ihm den Teller, aber der Königssohn warf die Decke ab und sprach “du alter Sünder, warum hast du mich töten wollen?“ Der König ließ seinen Rat versammeln und beschloß, den dritten Teil des Volkes töten zu lassen. Den entronnenen König ließ Dieterich trüglich zurückrufen und beredete endlich den Iring mit falschen Versprechungen, seinen Herrn zu töten. Den jüngsten tötete Hermenfried auf Anstiften seiner Gemahlin Amalaberga, einer Tochter Theodorichs von Franken. Der Knecht nahm sie in seinen Mantel, ritt in den Wald und wollte sie töten. Der König hieß in jähem Zorn den Grafen töten. Der Mann geriet in Schulden und ward ganz arm, so daß er in Verzweiflung erst seine Frau mit einem Messer tötete, dann sich selbst eine Kugel durch den Kopf schoß. Die Hunnen verheerten die ganze Stadt; was von Männern darin war, töteten sie durchs Schwert, um die Weiber und Kinder aber losten sie. Er hatte zu dem Ende ein Paar gute Pistolen gekauft und wollte mit der einen die Braut, mit der andern hernach sich selbst töten. In dem ersten Wochenbett schickt ihn die Frau über ihren Kasten, Weißzeug zu holen, und denkt nicht, daß dort das Zaubergerät liegt, das er findet und womit er sie tötet. Kühn schlug er unter die Feinde, tötete und verwundete eine große Menge und machte sie alle flüchtig. Matabruna hingegen dachte nichts als Böses und beredete sich mit der Wehmutter, daß sie der Königin, wenn sie gebären würde, statt der Kinder junge Hunde unterschieben, die Kinder selbst töten und Beatrix einer strafbaren Gemeinschaft mit Hunden anklagen wollten. Nachdem das geschehen war, ging sie getrost hinunter und setzte sich nieder, und nach wenigen Augenblicken fuhr auch ein Blitz auf sie herab und tötete sie. Sie antwortete „ach, du armes Kind, du bist in eine Mördergrube geraten, dein Bräutigam wohnt hier, aber er will dich zerhacken und töten, und will dich dann kochen und essen.“ Über dem Gewieher der Rosse erwachte Adelgis, zog sein Schwert und tötete viele Franken. Und als es älter wurde, schwächte es Frauen und Jungfrauen und tötete die Männer. Und es entstand ein Wortwechsel, keiner aber wußte Böses von der Pfalzgräfin zu sagen und keinen Grund, warum sie sie töten sollten. Und schickte zwei seiner Diener in die Mühle, daß sie das neugeborne Kind töten und zu dessen Sicherheit ihm des Kindes Herz brächten; denn er müsse es haben zu einer Buße. Wie sie zu Ravenna angelangt waren, nahm Rosimundens Schönheit auch den Longinus ein, und er beredete sie, den Helmichis zu töten und sich hernach ihm zu vermählen. Wie das geschehen war, leiteten sie das Wasser wieder ins alte Bett zurück und töteten, damit die Stätte von niemand verraten würde, alle die, welche das Grab gegraben hatten.

[Belegstellen für das Lemma „töten“ in den Grimmschen Kinder- und Hausmärchen; manuell arrangiert.]

in corpore literarisches

TAGE DER JAHRE

1. Januar 1912
1. Januar 1937
1. Januar 1939
1. Januar 1939
1. Januar 1940
1. Januar 1940
1. Januar 1940
1. Januar 1942
1. Januar 1942
1. Januar 1943
1. Januar 1943
1. Januar 1944
1. Januar 1944
1. Januar 1944
1. Januar 1944
1. Januar 1945
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in corpore literarisches

ES TRUG SICH ZU

es war einmal ein
in die höhe und
in den wald und
es trug sich zu
hinaus in den wald
trug sich zu daß
in den wald hinein
und fing an zu
sich auf den weg
an zu weinen und
es dauerte nicht lange
nicht lange so kam
bei der hand und
so will ich dir
dauerte nicht lange so
in die hand und
um den hals und
es sich zu daß
es war einmal eine
ging in den wald
sprach er ich will
trug es sich zu
und sprach ich will
und sprach zu dem
und sprach zu ihm
als er fertig war
an der hand und
da sprach der könig
das wasser des lebens
der könig und die
hin und her und
in einen großen wald
sich zu daß er
sprach er zu ihm
als er ein weilchen
am andern morgen als
an den tisch und
auf den kopf und
auf den weg und
aus der hand und
der hand und führte
er in den wald
in der hand und
in die weite welt
in ein seiden tuch
in ihre kammer und
machte sich auf den
mein mutter der mich
mein vater der mich
mutter der mich schlacht
vater der mich aß
wenns mir nur gruselte

[Alle 4-Gramme mit einer Frequenz von 8 oder mehr aus dem Korpus der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen, mit CasualConc nach Häufigkeit des Auftretens geordnet.]

in corpore literarisches

ER (KORPUSFABEL I)

er war 26 jahre alt
er war, als pionier, abkommandiert gewesen zum dienst an den lokomotiven
er war anhänger darwins
er war arzt, hatte seine dienste als arzt erboten
er war auch kein sozialdemokrat
er war auch kein utopist
er war auf dem land aufgewachsen
er war auf der börse und beim pferderennen tätig
er war auf der höhe seiner berühmtheit als er nicht weiterkonnte
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in corpore literarisches

WENDEKORPUS

wir atmen wieder, aber welche luft?
wir bedauern das nach wie vor
wir begründen heute unseren gemeinsamen staat
wir begrüßen ihn aus ganzem herzen
wir bekamen 30 sitze im rathaus
wir bekamen nicht einmal eine einladung
wir bekennen uns zu sozialistischem unternehmergeist
wir bekennen uns zu unserer friedenspflicht
wir bekommen täglich post zur eigentumsfrage
wir besitzen sie doch überhaupt nicht
wir blieben einfach nicht hart genug
wir blieben strittig an diesem tag
wir brauchen aber auch weitere unterscheidungen
wir brauchen freundlichkeit und güte, charme
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in corpore literarisches

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