Neue ›Edit‹ erschienen

cover-firstdraft

 

In der neuen Edit ist mein Text ›Wendekorpus‹ erschienen, den ich zuerst auf dieser Seite veröffentlicht habe. Dafür wurden die aus 3,23 Millionen Einträgen bestehenden Wendekorpora West+Ost des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo-2013-II) mit Cosmas II 3.11 nach mit »wir« beginnenden Sätzen von exakt sechs Wörtern Länge durchsucht.

Das Ergebnis ist ein widersprüchliches, schizophrenes und identitätsverwirrtes Stimmengewirr der Wendezeit, auf das vor zwanzig Jahren das Adjektiv »deutsch-deutsch« 300% wahrscheinlicher angewandt worden wäre als heute:

hinweis literarisches

COLD STEELY HARD

do that is that you take a cold steely hard look
is that you take a cold steely hard look at it
only way you do that is that you take a cold
that is that you take a cold steely hard look at
that you take a cold steely hard look at it and
the only way you do that is that you take a
way you do that is that you take a cold steely
you do that is that you take a cold steely hard
you take a cold steely hard look at it and get
take a cold steely hard look at it and get ready
 

[Aus den Nachrichtentexten, die am 23. August um 14:00 (MESZ) bei der Suche nach „ISIS“ auf der ersten Seite von Google News (Englisch) verlinkt waren, mit Casual Conc 1.9.7 alle 11-Gramme mit der Häufigkeit von 3 ausgegeben; am 22. August hatte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel ein Pressekonferenz abgehalten, in der das Zitat fiel.]

in corpore literarisches

IDENTITÄTSDRAMA
Deutsche Geistesgrößen in Anklage und Selbstrechtfertigung

 

KAFKA: Du bist mit mir nicht zufrieden, Du hast an mir verschiedenes auszusetzen, willst mich anders haben, als ich bin.

LUTHER: Du bist ein durch und durch schlechter Kerl, du bist ein Heide und lehrst dazu nicht recht, bist ein Verführer und Teufelsapostel.

EINSTEIN: Ich bin ehrwürdiger eidgenössischer Tintenscheisser mit ordentlichem Gehalt.

FICHTE: Du bist ein ruchloser Geist: deine Erkenntniss selbst ist Ruchlosigkeit und stammt aus Ruchlosigkeit, und ich kann es dir nicht danken, dass du mich auf diesen Weg gebracht hast.

WEBER: Ich bin ein nach Recherche und Bewährung patentierter und kraft meiner Mitgliedschaft garantierter Gentleman.

LUTHER: Du bist ihnen ungnädig, ich will dir auch ungnädig sein.

LESSING: Ich bin zu tadeln.

HEGEL: Du bist nicht wert, daß dich die Sonne bescheint, sagt man zu einem Wicht, über den man sich erzürnt.

KAFKA: Ich bin doch ganz unbrauchbar, aber darin bin ich unveränderlich.

NIETZSCHE: Ich bin es, der in jedem Grade unwürdig und verächtlich ist,

EINSTEIN: Du bist ein Prachtkerl!

JAKOB BÖHME: Du bist schön und mächtig.

MARX: Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen.

MEISTER ECKHART: Du bist noch schöner.

MARX: Ich bin zu ungeduldig, eine andere Gelegenheit abzuwarten, um Ihnen einen kleinen Beweis meiner Liebe zu geben.

LESSING: Ich bin ein ehrliches Mädchen

JAKOB BÖHME: Ich bin eine züchtige Jungfrau.

WEBER: »Ich bin ein Weib« ist eine politische Unterwerfungsformel. (mehr …)

in corpore literarisches

WAS MAN MUSS (MANAGEMENTKORPUS)

Sie müssen tough sein.
Sie müssen ehrlich sein.
Sie müssen es nur wollen.
Sie müssen emotional sein.
Sie müssen sich entscheiden!
Sie müssen nur originell sein.
Sie müssen es nicht allein tun.
Sie müssen nett und tough sein.
Sie müssen ihr Vertrauen gewinnen.
Sie müssen auswählen und gewichten.
Sie müssen nicht gleich perfekt sein.
Sie müssen Ihren Rubikon überschreiten.
Sie müssen realistisch erreichbar sein.
Sie müssen sich ihr Geld erst verdienen.
Sie müssen daran arbeiten, damit es anhält.
Sie müssen physisch und psychisch fit sein.
Sie müssen es tun, ob Sie wollen oder nicht. (mehr …)

in corpore literarisches

AFFIXGEDICHT

So missfach der Erzbold
entisiert urweise Hauptiker
als unibel sich überigt
das Gechen dem Urtum.

[Freie Kombinationen aus der Tabelle der Affixe im Vorlesungsskript des Linguisten Markus Steinbach, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, Wortbildung, S. 3]

linguarsenal literarisches

SCHREIBENLASSEN
Gegenwartsliteratur und die Furcht vorm Digitalen
(ungeschnitten)

 

(Eine redaktionell gekürzte Version dieses Textes ist erschienen in: Merkur, 7/2014.)

 

Ian Sommerville schrieb Anfang der 1960er auf einem Honeywell-Computer ein äußerst simples Programm. Der Input bestand aus einer Zeichenkette (»Satz«), deren n Elemente (»Wörter«) durch Leerzeichen getrennt waren. Gemäß aller möglichen Kombinationen wurden diese Elemente neu zusammengesetzt und alle Permutationen (»Zeilen«) untereinander auf einem Monitor als Textblock ausgegeben (»Gedicht«). Bei einem »Satz« aus n »Wörtern« entsteht demnach ein »Gedicht« aus n! »Zeilen«. Ist n=5, sind das 5·4·3·2·1=120. Aus dem Input »I AM THAT I AM« wird so: (mehr …)

akademisches literarisches Merkur

GEGENSEELE IN WENNLANDSCHAFT

Warum bilden wir nun mit ›ich‹ und ›du‹, ›für‹ und ›gegen‹, ›wenn‹ und ›aber‹ nicht genau so geläufige Metaphern wie mit ›Wahrheit‹ und ›Licht‹, ›Rede‹ und ›Fluß‹, ›Seele‹ und ›Landschaft‹? Sind sie nicht allesamt Zeichen der Sprache? Haben sie nicht alle eine Bedeutung?

– Harald Weinrich, Allgemeine Semantik der Metapher.

 
 

GEGENSEELE IN WENNLANDSCHAFT
Fürwahrheit des Ichlichts
im Aberfluß der Durede

linguarsenal literarisches

›Ganz normale Laster‹ erschienen

Ganz_normale_Laster Cover

Heute ist meine Übersetzung von Judith N. Shklars Meditation über liberale Laster bei Matthes und Seitz erschienen. Ganz normale Laster (Orig.: Ordinary Vices, 1984), Shklars Hauptwerk, ist Grundlage und erste Formulierung des Liberalismus der Furcht, der letztes Jahr erschien.

Einen Auszug aus meinem demnächst auch separat als Ebook erscheinenden werkbiografischen Nachwort kann man hier lesen.

Rezensionen: FAZ, DLF, DRadio, NZZZeit Online, Spiegel Online, Information Philosophie

akademisches hinweis

AUF MEHR ALS EINE WEISE

die herren von der hafenbehörde
bis auf den heutigen tag
die hände in den taschen
bis auf einen gewissen grad
im zimmer auf und ab
auf mehr als eine weise

ich weiß nicht was ich
in der mitte des zimmers
sagte er zu sich selbst
die hände in den hosentaschen

 
[Die fünf häufigsten 5-Gramme der Werke Kafkas und Goethes mit CasualConc 1.9.7 ermittelt und abwechselnd untereinander ausgegeben (Reihenfolge erste Strophe: Kafka/Goethe, zweite Strophe: Goethe/Kafka).]

in corpore literarisches

I AND HIM AND

Him do you know you are in the I is a nice speaking voice Andrew and okay you I have to do is frequency is a three. Cells so have any symptoms of my strange when passing session is destroyed when you won’t hear that the national resident frequencies of the rule articulated by speech you are this activity also as a demonstration of physical fact the more Celine’s school of any irregular

strange I have I asked him to him now I will see I move in how can you I believe a person is he was the cells celebrities are screened as you are in is destroying

yeah Eileen as is and lastly in this activity also as I is I the more as a way to move the and you and I have I know you are I know this will be in you will you as you as always so I are is an annual is

in we him as and lastly him on this is actually well and I will

in no and him I know you are I know this will be as I will and you him and as always I was on him as an all

you he this is a in him well I know will will in more him and I is truly an I know will in you him and him and as always him whom I him and him and all I

you are all you him as him and will will will will the law you know him and him alone are you

I know I you in him him him you will I and him and

are you him who is him and him him well I will will all in

him and all I you and you and I and that is why he is a you as of and I him him him I who you this is a in in I as Paul wall as him and I see you the only long you as you you will and in as an him how do you this is the in I I will will all as him and

 
[Alvin Lucier, I am sitting in a room, ab der dritten Iteration von Dragon Dicate 3 als amerikanisches Englisch erkannt; Zeilenumbrüche und Interpunktion unterlagen ebenfalls der Interpretation des Programms.]

literarisches maschinensprache

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