0x0a.li online

Gregor Weichbrodt und ich haben ein Textkollektiv gegründet – es heißt 0x0a. 0x0a ist der Hexcode für den Zeilenumbruch. Es ist ein Zeichen, das es im Analogen nicht gibt, nicht gesprochen werden kann und nur als „Steuerzeichen“ existiert – und damit ideales Symbol für den Versuch, genuin Digitale Literatur zu produzieren.
0x0a soll ein Workshop, Labor, Schaufenster und eine Anlaufstelle für digitale konzeptuelle Literatur werden und die Diskussion über diese Literaturform in Deutschland anregen. Wir laden ein, mitzudiskutieren und selbst Texte einzureichen, und hoffen, dass wir in Zukunft die Autorenliste erweitern können.

Für diese Website heißt das, dass ich in Zukunft Literarisches auf 0x0a unterbringen werde und hannesbajohr.de für Hinweise und Akademisches freihalte. Nach und nach werden auch die längeren Texte dorthin umziehen.

hinweis

JA AUF

Ja auf auf auf auf auf Home

 
[Robert Filliou, »Imitating the Sound of Birds« (1979, 0:55) von www.ubu.com/sound mit der Spracherkennungssoftware Dragon Dictate 3 als Deutsch erkannt.]

literarisches maschinensprache

KRANZ / CORONA

Aus der Tatze aast der Nachsommer mir sein Laub: wir sind Clans.
Wir pellen den Augenblick aus den Hülsenfrüchten und bringen ihm stelzen bei:
der Augenblick findet heim in die Hülse.

In der reflektierenden Glasfläche ist Fest,
in der Illusion wird genächtigt,
der Rachen berichtet wahrhaftig.

Mein Sehorgan klettert hinunter zum Genus der Innigen:
wir fixieren uns,
wir bedeuten uns Mattes,
wir poussieren miteinander wie Ackerblume und Gedächtniskraft,
wir schlummern wie Limonade in den Mollusken,
wie die Salzflut im Lebenssaftglanz des Silbermanns.

Wir beharren geliebkost in der Luke, sie gaffen uns an von der
Avenue:
es ist der Augenblick, Kenntnis zu haben!
Es ist der Augenblick, daß der Klinker zu florieren gefällig ist,
daß der Jagd ein Cor patscht.
Es ist der Augenblick, daß es Augenblick wird.

Es ist der Augenblick.

 

[Paul Celan, Corona, in: Mohn und Gedächtnis, 1952, mithilfe der Word-Synonymfunktion und synonyme.de jedes Nomen und Verb/Adverb gegen ein Synonym ausgetauscht; für das Original hier klicken.]

literarisches synonymgedichte

MANCHMAL SAH SCHWACH DAS

(nach Christian Bök)

 
A

manchmal sah schwach das daß saß sah langsam paar arm gras. dann daß bald statt nachtmahl. bald sah war dann stand was war das dank, da — halt — — — »was? gab bald — — — — das gras gras, man hand gab, man zwar man man, arm man gar man daran man krank man sah man man wald da daran, — — — »was laß — daß — — — man — man daß das gab das war. man man wald war stand, wald. (mehr …)

linguarsenal literarisches

20 OPFER

ist dir liebste dieses opfer nicht zu schwer?
		   das opfer von zwei minuten
 kann sehr leicht mein opfer werden,
wie der räuber im wald opfer 
       zurückhält: die opfer, die ich brachte, um
		       opfer zu verlangen.
	selbst wer ihr opfer geworden ist, hat
		  sein opfer; ich will es nicht ausdenken.
      auch hast du das opfer, das sie dir bringen,
		   das opfer, aus der gasse, in welcher
	 nur eines der opfer, 
	    der beiden opfer, 
	  das ständige opfer, 
		   ihr opfer war,
      das vorbestimmte opfer jedes die hand ausstreckenden gastes,
	 wohl gern zum opfer gebracht.
	    leicht ein opfer von klatschereien
bringe ich also solche opfer. 
		solche opfer zu bringen
		dieses opfer ist zu groß.

 
[Konkordanzen des Schlüsselworts ›Opfer‹ aus Kafkas Werken (ohne Tagebücher) mit Concord 0.9 erstellt; anschließend manuell arrangiert und rechts und links selektiv geweißt.]

in corpore literarisches

DIVINATIONEN (»EIRIS SÂZUN«)

Eiris sâzun idisi, sâzun hêra duoder.
suma haft heftidun, suma heri lêzidun,
suma clûbodun umbi cuniowidi:
insprinc haftbandun, infar wîgandun.

— 1. Merseburger Zauberspruch

 
Es ist richtig ist so.
Es ist richtig ist schon.
Es ist richtig in Schwung.
Es ist richtig in Stimmung. (mehr …)

literarisches maschinensprache

Deutsche Zeitschrift für Philosophie – Shklar-Schwerpunkt

Heute ist die neue „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ erschienen. Darin der von mir mit Burkhardt Liebsch zusammen herausgegebene Schwerpunkt zur politischen Philosophie Judith Shklars.
Neben einer längeren Einführung von Liebsch und mir finden sich darin Beiträge von Alfred Hirsch, Heidi Sallavería, Andreas Hetzel und ein ausgezeichneter Text von Samuel Moyn über Shklars „Legalism„, den ich übersetzt habe und der deutsche Leser ausführlich mit diesem frühen Hauptwerk bekannt macht.

akademisches hinweis

›Judith N. Shklar‹ jetzt als Ebook

Shklar-MSeB

Das werkbiografische Nachwort, das ich für meine Übersetzung von Judith N. Shklars ›Ganz normale Laster‹ geschrieben habe, ist jetzt auch separat als Ebook bei Matthes & Seitz erschienen. Kostenpunkt: 1,99. Am besten beim Verlag oder bei minimore bestellen.

akademisches hinweis

GERÄTESTÖRUNG

Nietzsches Schreibkugel, plus eKGWB:NF-1882,18[2] — Nachgelassene Fragmente Februar–März 1882 [18,2]

»Schreibkugel ist ein Ding gleich mir: von Eisen / Und doch leicht zu verdrehn zumal auf Reisen. / Geduld und Takt muss reichlich man besitzen / Und feine Fingerchen, uns zu benuetzen.«
— Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente, Februar-März 1882
 
 
Kafkas Oliver5 ALS TIFF

»Verantwortungen weiche ich aus wie eine Schlange, ich habe vielerlei zu unterschreiben, aber jede vermiedene Unterschrift scheint mir ein Gewinn, ich unterschreibe auch alles (trotzdem es eigentlich nicht sein darf) nur mit FK, als könne mich das entlasten, deshalb fühle ich mich auch in allen Bureausachen so zur Schreibmaschine hingezogen, weil ihre Arbeit, gar durch die Hand des Schreibmaschinisten ausgeführt, so anonym ist.«
— Franz Kafka, An Felice Bauer, 20. Dezember 1912.
 
 
IBMSelectric-ERST-PCX

»Purge the world of bourgeois sickness, ›intellectual‹, professional & commercialized culture, PURGE the world of dead art, imitation, artificial art, abstract art, illusionistic art, mathematical art…«
— George Maciunas, Fluxus Manifest, 1963
 
 
Honeywell 200 I AM THAT I AM ganzer Text ALS BMP

»›Come, come!‹ I protested, laughing, ›surely this is, at last, the ‘artless art’ the Zenzooters are pushing. You can’t call me the author of these poems, now, can you? I merely undid the word combination, like the letter-rock on a piece of good luggage and the poem made itself.‹«
— Brion Gysin, Cut-Ups: A Project for Disastrous Success, 1973
 
 
 
[Die Zitate wurden an verschiedenen Stellen als UTF-8-codierter Text in die im Format JPG, PCX, TIFF und PNG gespeicherten Abbildungen von Nietzsches Hansen-Schreibkugel, Kafkas Schreibmaschine ›Oliver 5‹, Kugelköpfen für Maciunas‘ IBM Selectric Composer und Gysins Honeywell-200-Computer (den er von Ian Sommerville für I AM THAT I AM verwandte) eingefügt; der Codec bestimmt dabei die möglichen Glitches.]

codec poetry literarisches

Neue ›Edit‹ erschienen

cover-firstdraft

 

In der neuen Edit ist mein Text ›Wendekorpus‹ erschienen, den ich zuerst auf dieser Seite veröffentlicht habe. Dafür wurden die aus 3,23 Millionen Einträgen bestehenden Wendekorpora West+Ost des Deutschen Referenzkorpus (DeReKo-2013-II) mit Cosmas II 3.11 nach mit »wir« beginnenden Sätzen von exakt sechs Wörtern Länge durchsucht.

Das Ergebnis ist ein widersprüchliches, schizophrenes und identitätsverwirrtes Stimmengewirr der Wendezeit, auf das vor zwanzig Jahren das Adjektiv »deutsch-deutsch« 300% wahrscheinlicher angewandt worden wäre als heute:

hinweis literarisches

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